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Neustall-Oberullrichsberg
Als Dreiherrensteine bezeichnet man Grenzsteine, die dort stehen, wo die Grenzen dreier Herrschaftsgebiete zusammenlaufen. Meist sind sie in Dreiecksform gestaltet und oft mit Wappen verziert. - An so genanten "Dreimärkern" laufen zwar auch drei Grenzen zusammen, jedoch nur einfache Grenzen (Gemeinde, Gemarkung, etc.). Man erkennt sie an den eingekerbten Grenzlinien auf dem Kopf des jeweiligen (normalen) Grenzsteins.

Bild: Dreiherrenstein Oberullrichsberg - Die Fuldaer Seite des Steins
Der schönste und gleichzeitig der am besten erhaltene Dreiherrenstein im Vogelsberg - ein Dreieckstein - steht in der Nähe des Weilers Oberullrichsberg an den heutigen Grenzen der Orte Hintersteinau, Neustall und Holzmühl. Der Stein wurde im Jahr 1730 gesetzt. Damals liefen hier noch die Grenzen der Herrschafts- bereiche der Fürstabtei Fulda, der Hanauer Grafen und der Riedesel zu Eisenbach zusammen. Die entsprechenden Prunkwappen sind am Stein gestaltet:
1. Das Wappen des Fuldaer Fürstabts Adolph von Dalberg mit der "Unterschrift" ADOLPHUS v A z F (Abt zu Fulda).
2. Das Wappen des Grafen Johann Reinhardt von Hanau mit der "Unterschrift" JOHANN REINHARDT G z H (Graf zu Hanau).
3. Das Wappen der Riedesel mit der der "Unterschrift" FREYHERRN V RIEDESEL.

Bild: Links das Fuldaer Wappen - Rechts das Hanauer Wappen
Nachdem Fulda in das Kurfürstentum Hessen Kassel eingegliedert wurde, die Grafschaft Hanau durch Erbschaft ebenfalls an Kassel fiel und das Riedeselland zu Hessen Darmstadt kam, zeigte der Stein nur noch zwei Grenzen an. Hessen Darmstadt war Großherzogtum geworden und Hessen Kassel wurde 1866 von Preußen annektiert. Am Stein sind diese Vorgänge durch die Buchstaben K P (= Königreich Preußen) und G H (= Großherzogtum Hessen) dokumentiert. Die Zahl 60 auf der Fuldaer Seite ist die fortlaufende Nummer der Grenzsteine des Großherzogtums.

Bild: Dreiherrenstein Oberullrichsberg - das Riedeselwappen
Heute zeigt der Stein nach dem Übergang der Kreise Lauterbach und Schlüchtern in größere Einheiten die Grenze zwischen Vogelsbergkreis und Main-Kinzig-Kreis an. Auch ist die Grenze immer noch Religionsgrenze zwischen der evangelischen Pfarrei Freiensteinau und der katholischen Pfarrei Ulmbach und gleichzeitig Grenze der Bistümer Fulda und Mainz.
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