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Eine sehr große Anzahl von histori- schen Grenzsteinen ist in der Region Vogelsberg noch immer erhalten.

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VOGELSBERGPORTAL: DER NATURPARK

 

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Die Entwicklung von Grenzen

Grenzen entstanden in den meisten Fällen mit der Besiedlung eines Raumes. Dabei dürfte in der Frühzeit das Stammesgebiet maßgebend gewesen sein. Es reichte so weit, wie die Stammesmitglieder wohnten und fand seine natürliche Begrenzung an Flüssen und Bächen bzw. an Sumpfland, Ödland und Waldgebieten. Erst mit zunehmender Besiedlung erfolgte eine genauere Grenzbildung, wobei die Wälder vorerst Allgemeingut blieben; sie standen den Grenznachbarn gemeinsam zu. Die Entwicklung des mittelalterlichen Lehnswesens und der Stände (Klerus, Adel, Bauern) hatte einen entscheidenden Einfluss auf die Abgrenzung der einzelnen Herrschaftsbereiche. Die Grenzziehung wurde dadurch genauer - zumindest nach außen, aber auch innerhalb des Gebietes – denn jetzt ging es um Macht und Geld (den Zehnten). Auch die Wälder waren jetzt zugunsten von Geistlichkeit und Adel einbezogen, kein freies „Gemenge“ mehr, was Grenzstreitigkeiten bis ins 16. Jahrhundert, teilweise bis ins 19. Jahrhundert zur Folge hatte.

  

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Bild: Alter "Erdaufwurf" mit aufgesetztem Grenzstein

  

Grenzverläufe wurden im Mittelalter in Beschreibungen festgehalten. Wie genau oder ungenau diese waren, zeigt die folgende Beschreibung: Die Grenze verläuft „… vom Schottener Weg den Rain hinab aufs Schiebergemeß, von dort den Rain hinab bis auf die Rugernwiese und von dort überzwerchs übern Wald bis auf die Lendelbach, übern Streckberg zu der Drehe-Mühle, zum Forellenweiher bis auf den Bach und hinunter durch die Fuchswiesen zur Lehmkaute bis an die Hege, hinaus bis an den Schlag an die Wetterau, bei dem Schlag alsdann das Wasser hinauf bis dahin, wo die Wetter entspringt …“. Wie aus dieser Beschreibung zu erkennen ist, wurden draußen im Gelände markante Punkte (Lehmkaute), Gewässer (Wetter) und Geländeformen (Rain) in den Grenzverlauf einbezogen. Wo das nicht ausreichte oder bei Richtungsänderungen im freien Gelände nahm man „Malbäume“ (Bäume mit eingehauenen Zeichen) zu Hilfe oder kennzeichnete diese Stellen mit „Erdaufwürfen“. Anfangs lagen die Grenzpunkte sehr weit auseinander, eben so weit wie z.B. der „Rain“ verlief. Erst allmählich wurden sie vermehrt und schließlich auf Sichtweite angelegt.

  

Da „Malbäume“ und „Erdaufwürfe“ leicht zu zerstören oder von Natur aus vergänglich waren, ging man dazu über, sie durch Grenzsteine zu ersetzen. Wann dies in unserem Raum erstmals erfolgte, ist wahrscheinlich nicht mehr nachzuvollziehen. So weit bekannt, wurden die ältesten heute noch existierenden Steine im Jahr 1539 gesetzt. Auch einige wenige „Erdaufwürfe“, auf welche man später Grenzsteine setzte, sind noch erhalten. Für den Abstand zwischen den einzelnen Steinen war nach wie vor die „Sichtweite“ maßgebend. Das änderte sich erst, als durch die politische Entwicklung nach dem Jahr 1866 „preußische Genauigkeit“ auch unser Gebiet tangierte. Damals wurden die teils sehr großen Abstände mit weiteren Steinen aufgefüllt. Eine relativ genau Kartierung und Einmessung der Grenzverläufe (und auch der einzelnen Flurstücke) war bereits in den ersten Jahrzehnten nach den napoleonischen Kriegen erfolgt.

 

 

 

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